Diese App sollte den Arztbesuch überflüssig machen – doch die Nutzer bewirkten das Gegenteil

Präziser als der Hausarzt, eine Erleichterung für das Gesundheitssystem – die britische KI-App Babylon Health war mit hohen Erwartungen angekündigt. Doch nun kriegt das Startup die Tücken des Umgangs mit Patienten zu spüren.

Der Patient ist ein merkwürdiges Wesen – und nicht unbedingt immer ehrlich. Geht es um das eigene Verhalten in Sachen Gesundheit, kann es eigentlich gar nicht besser sein. Da schrumpft die Zahl der gerauchten Fluppen der letzten Woche schon mal rapide auf dem Weg von der Haustür bis zur Praxis. Oder die Art der Anwendung der verschriebenen Creme wird von „jedes Mal, wenn ich daran gedacht habe“ zu „natürlich stets vorbildlich morgens, mittags, abends“. Und die eigenen Gebrechen? Ohje. Natürlich besonders schlimm. Kaum auszuhalten. Also eigentlich müsste jetzt ein Arzt was tun. Sofort.
Dass wir alle gewollt oder ungewollt als Patienten flunkern, hat gerade auch die Gesundheitsapp Babylon Health auf die harte Tour lernen müssen. Das Unternehmen hat in mehreren Finanzierungsrunden Dutzende von Millionen eingesammelt und auch vom NHS, dem britischen Gesundheitssystem, viel Unterstützung bekommen. Außerdem schnitt die App in mehreren offiziellen Prüfungen bestens ab. Doch die Unehrlichkeit der Patienten war für das System zu viel.
Chatbot übernimmt die Diagnose
Die Idee hinter Babylon Health: Ein Chatbot befragt den User nach Symptomen, und da er mit Tausenden von Fällen gefüttert ist, stellt er dank künstlicher Intelligenz die richtige Diagnose. Heißt bei einfachen Beschwerden ein Hausrezept, bei komplizierten Gebrechen verweist er an den Spezialisten weiter. Das sollte die Zahl der unnötigen Arztbesuche verringern, für Patienten die Wartezeiten senken und Ärzten mehr Zeit für die wichtigen Patienten einbringen. So weit die Theorie.
Was tatsächlich in einem ersten Test passierte, war anders. Die Patienten bekamen raus, wie der Chatbot tickte und „spielten“ mit dem Symptomchecker, um schneller an einen Arzttermin zu kommen. Die Autoren des Testberichts der Clinical Commission Group in Nord-West-London urteilten, dass es „unwahrscheinlich sei, dass der Symptomchecker die Nachfrage nach Arztterminen senke“ und stellten damit eines der Kernziele der App infrage.
(Screenshot: Babylon Health)
t3n.de fragte mehrmals bei Babylon Health an, um mehr über den derzeitigen Stand der Tests zu erfahren. Zuvor sprachen nämlich andere Berichte noch davon, dass die App normalen Hausärzten ihr Geschäftsmodelle streitig machen könnten, weil die App die gesunden, mit wenig Aufwand verbundenen und lukrativen Fälle „behandeln“ würde.
Auch zu Plänen, ob und wann man auf dem deutschen Markt erscheinen will, wollte das Unternehmen nichts sagen. Ein Experte des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärte gegenüber t3n aber, dass die Hürden für eine Zulassung in Deutschland nicht unbedingt höher seien als in Großbritannien. „Medizinprodukte werden erst mal von Instituten wie dem TÜV zertifiziert. Das BfArM schreitet nur bei Vorkommnissen ein.“
Fest steht aber nach der Panne im Test erst mal eins: mag sein, dass die App tatsächlich zehnmal so präzise sein kann wie ein Arzt, so wie es ihr Gründer Ali Parsa noch Anfang diesen Jahres versprach. Im hier und jetzt sind Patienten aber noch zu bauernschlau für den Smartphone-Doktor.

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