Düsseldorf: Dieser Mann will Deutschlands erster Cannabis-Großunternehmer werden

Bryan Ebstyne will in Düsseldorf Cannabis anbauen – völlig legalDer HuffPost berichtet er vom mühsamen Weg zum deutschen Marihuana-Unternehmen “Es ist Wahnsinn”, sagt Bryan Ebstyne mit seinem breiten amerikanischen Akzent. Er klingt dabei nicht wütend, nicht wie jemand, der sich seit Monaten mit der deutschen Bürokratie abmüht.Nein, aus der Stimme des Deutsch-Amerikaners klingt fast ein bisschen Bewunderung. “Die Deutschen sind halt sehr vernünftig”, schiebt Ebstyne, der seit über 20 Jahren in Düsseldorf lebt, lachend hinterher.Das, was er tut, würden viele nicht als “vernünftig” bezeichnen. Ebstyne baut Cannabis an. Tausende Kilogramm Blüten produziert er im Jahr – auf einer riesigen Plantage im US-Bundesstaat Washington.► Und: Schon in wenigen Wochen will er einer der ersten legalen Cannabisproduzenten Deutschlands sein.Der Cannabis-Traum in DüsseldorfZehn Aufträge vergibt die im vergangenen Jahr gegründete Bundesagentur für Cannabis (BfArM) an deutsche Produzenten, um den hohen Bedarf an medizinischem Marihuana zu decken. Bislang importierte Deutschland sein Cannabis allein von ausländischen Produzenten – aus Kanada und den Niederlanden.► Doch seit die medizinische Verwendung von Cannabis im März 2017 erlaubt wurde ­– vorher waren komplizierte Ausnahmegenehmigungen notwendig – kommt es immer wieder zu Engpässen. Schon mehr als 21.000 Menschen haben ein Cannabis-Rezept. Und Ebstyne wittert seine Chance.In der Nähe von der nordrhein-westfälischen Hauptstadt soll sein Traum vom deutschen Cannabis-Imperium wahr werden. “Ich habe schon das ideale Gebäude gefunden“, sagt er der HuffPost. “In der Nähe von Düsseldorf. Nein, fast in Düsseldorf.“Dabei weiß Ebstyne noch gar nicht, ob er einen der Aufträge bekommt. Erst Ende März oder Anfang April soll der schleppende Auswahlprozess beendet sein. Rund ein Dutzend Cannabisunternehmer sind noch im Rennen, sagt der Deutsch-Amerikaner. Mindestens zwei von ihnen werden eine Anbaulizenz für die zehn Aufträge ergattern.An Cannabis scheiden sich in Deutschland immer noch die Geister: Während die einen die jahrtausendealte Tradition der Hanfpflanze als Heilmittel betonen, sehen die anderen vor allem ihre Rauschwirkung kritisch.Laut dem Jahrbuch 2017 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen bleiben Haschisch und Marihuana die mit Abstand gängigsten illegalen Drogen in der Bundesrepublik. Hauptwirkstoff ist das Tetrahydrocannabinol (THC), das je nach Pflanzensorte in unterschiedlicher Konzentration vorkommt.Viele Ärzte betonen seine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung, inzwischen darf es in bestimmten Fällen als Medikament verschrieben werden. Mehr zum Thema: 10 Krankheiten, bei deren Behandlung Cannabis helfen kannHobbyzüchter haben keine Chance“Ich bin guter Dinge”, sagt der 47-Jährige.  Er weiß, dass er schon jetzt weit gekommen ist.Während Ebstyne mit seinen über 180 Mitarbeitern akribisch an seinem Unternehmen arbeitet, Partner akquiriert, seine künftige Plantage immer wieder umbaut und aufrüstet, haben hunderte Mitbewerber bereits aufgegeben.Denn die Hürden der BfArM sind hoch. Sehr hoch. “Wahnsinn”, wie Ebstyne sagt.Wer in Deutschland in Zukunft legal medizinisches Marihuana anbauen will, braucht Erfahrung. 200 Kilogramm Cannabis müssen Bewerber in den vergangenen Jahren produziert haben.Aber: Wer in Vergangenheit illegal Gras angebaut hat, fällt von vornherein durch das Raster. Hobbyzüchter und konventionelle Agrarbetriebe sind somit chancenlos.Ebstyne dagegen kann die nötige Erfahrung vorweisen. In den USA gehört er bereits zu den Cannabis-Pionieren. Ein Fußballtrainer brachte ihn auf die IdeeDie Geschichte seines Marihuana-Unternehmens beginnt in seiner Heimat Seattle. Dort lernt er in den frühen 90er-Jahren mit Anfang Zwanzig eine Deutsche kennen. Eine Innenarchitektin aus Nordrhein-Westfalen.Die Geschichte hat Ebstyne schon oft erzählt, zuletzt der “Rheinischen Post”, die neugierig geworden war auf den ungewöhnlichen Geschäftsmann in der Region.Die Deutsche und der Amerikaner heiraten, bekommen drei Kinder, wandern nach Düsseldorf aus. Ebstyne treibt sich erfolgreich in der IT- und Telekommunikationsbranche herum, gründet selbst zwei Startups, die er erfolgreich verkauft.Irgendwann zieht es ihn für eine Weile zurück in seine Heimat. Mit seinem damals 15-jährigen Sohn zieht er nach Seattle. Der Bundesstaat Washington ist damals – 2013 – kurz davor, Cannabis als Genussmittel zu legalisieren.Auf die Idee, in die Branche einzusteigen, bringt ihn der Fußballtrainer seines Sohnes. Der Coach seines Sohnes hält ihm einen Business-Plan unter die Nase. Cannabis: die bald legale Droge im Bundesstaat Washington. Ebstyne hat mit Gras wenig am Hut. Er hat zwar mal gekifft, aber das ist lange her. Doch irgendwas an der Idee fasziniert ihn.Sein Sohn fragte nach Crystal MethWer mit dem Deutsch-Amerikaner spricht, merkt schnell, wie eisern sein Wille, wie groß seine Begeisterung ist, sobald er von etwas angefixt ist.Und er scheut keine unkonventionellen Wege: In nur einem Monat besucht er 30 Cannabis-Plantagen, um das Geschäft und die Pflanzen besser zu verstehen. Damals ist der Anbau noch illegal, über Freunde baut er Kontakt zu Dealern auf, über Dealer Verbindungen zu den Großproduzenten.► Den Ausschlag, tatsächlich selbst in das legale Business in Washington einzusteigen, gibt dann sein Sohn, erzählte Ebsytne der “RP”. Als der von der Highschool nach Hause kommt und fragt, was Chrystal Meth sei, weil es ihm auf dem Schulhof angeboten wurde, wird aus der abenteuerlichen Business-Idee schnell eine moralische Angelegenheit.► Ebstyne ist überzeugt: Nur wenn weiche Drogen auf legalem Weg angeboten werden, kann skrupellosen Dealern das Handwerk gelegt werden.► Sein Unternehmen Leaph geht 2014 an den Start, das Gewächshaus misst 10.000 Quadratmeter. Pro Tag erntet sein Team bis zu zehn Kilogramm der wertvollen Blüten.In Deutschland wird es richtig teuerIm Jahr sind das über 3000 Kilogramm.Selbst wenn Ebstyne die maximale Anzahl der Aufträge in Deutschland bekommen würde, dürfte er hier nur einen Bruchteil dieser Menge produzieren.1400 Kilogramm sind die Obergrenze. “Plus 50 Prozent, die man aufschlagen darf”, erklärt Ebstyne der HuffPost. Auch diese Überschüsse würde die deutsche Cannabisagentur kaufen, zu welchen Konditionen ist jedoch noch offen.So oder so: Der Kostenaufwand in Deutschland wird für den Amerikaner deutlich größer als in seiner Heimat. Auch das ist ein Grund, warum viele Bewerber schon jetzt abgesprungen sind.►Das liegt zum einen in den ungleich höheren Stromkosten.► Zum anderen – wieder mal – an den Behörden.“Pro 1000 Quadratmeter muss man mindestens eine Million Euro für Sicherheitsmaßnahmen rechnen”, sagt der Unternehmer. Die Auflagen würden erfordern, dass das Cannabis in einem Klasse-3-Tresorraum produziert wird. “Nirgendwo auf der Welt gibt es sowas”, lacht Ebstyne.Er klingt noch immer etwas ungläubig angesichts des Verwaltungs-Irrsinns auf dem Weg zum Geschäft mit dem Grün. “Es ist total schwierig, die ganzen High-Tech-Geräte in einem Raum aus tausenden Kilo Stahl und Beton zu installieren”, erklärt er.Zig Mal habe sein Team die Immobilie am Rande von Düsseldorf daher bereits umgebaut. Immer wieder seien im Prozess neue Auflagen dazugekommen.Eine blühende Zukunft, glaubt EbstyneAber aufgeben ist keine Option. Denn es gibt noch etwas, das den Amerikaner antreibt. “In Deutschland ist ganz schön etwas im Gange”, sagt er.Ebstyne ist überzeugt: Die Öffnung des Marktes für medizinisches Cannabis ist nur der Anfang. Auch als Genussmittel werde Marihuana in Deutschland irgendwann salonfähig sein. “Politisch gibt es gerade ein adäquates Momentum”, sagt er vorsichtig, “man merkt, dass es vom Tabuthema zu etwas völlig Logischem wird.”Wieder verweist er auf die Vernunft der Deutschen. Dieses Mal – glaubt Ebstyne – spielt sie ihm in die Karten. “Cannabiskonsum zu entkriminalisieren, würde einen unglaublichen Gewinn an Steuereinnahmen bedeuten. Und den riesigen Aufwand, den schwarzen Markt zu bekämpfen, endlich unnötig machen.”Wenn es so weit ist, will er da sein. Dafür hat er schon jetzt begonnen, zusammen mit einem wissenschaftlichen Partner, die erste Langzeitstudie zum Cannabis-Konsum durchzuführen.Er will beweisen, dass nichts gegen die Öffnung des Marktes spricht.“Der zweitgrößte Markt der Welt”?Für den Amerikaner könnte deutsches Marihuana so ein Millionen-Geschäft werden. “Gehen wir mal von drei Losen (also Aufträgen, d. Red.) aus, das wären 600 Kilogramm Cannabis zu einem geschätzten Preis von 5 Euro pro Gramm. Das gäbe einen Umsatz von drei Millionen Euro im Jahr“, rechnet er der “Rheinischen Post” vor.► Der Gewinn wäre noch minimal, da die Kosten massiv bleiben.Doch je größer er sein Geschäft in der Zukunft aufziehen kann, je mehr Cannabis einen Abnehmer findet, desto größer wird seine Gewinnspanne.Experten sprechen schon jetzt vom nächsten Milliardenmarkt in Deutschland. Der US-Amerikaner Alex Rogers, der in diesem Jahr die “International Cannabis Business Conference” in Berlin veranstaltet, glaubt gar, die Bundesrepublik werde in den kommenden Jahren zum zweitgrößten Cannabis-Markt der Welt aufsteigen.“Es gibt immer mehr Bewegung in die Richtung”, sagt Rogers der HuffPost. Ebstyne bremst hier noch ein wenig. “Der Markt ist noch in der Anfangsphase”, sagt er.Plötzlich klingt auch der Amerikaner ganz vernünftig.

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