Journalist fragt Putin nach toten Kritikern – und bekommt absurde Antwort

Der US-Sender Fox News hat Russlands Präsident Putin interviewt.Das Gespräch zeigt, mit welchen Mitteln (und absurden Antworten) der Kreml-Chef kritischen Fragen ausweicht. Wladimir Putin ist ein Meister des Ausweichens. Der russische Präsident gilt als äußerst schwieriger Interviewpartner. Kritischen Fragen begegnet er meist mit Gegenfragen – auch wenn die manchmal absurd ausfallen. Das zeigte auch ein Moment im jüngsten Interview, das der US-Sender Fox News mit dem Kremlchef am Montag geführt hat. Nach dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Helsinki stellte sich der russische Staatschef den Fragen von Fox-Moderator Chris Wallace. Der formulierte dabei eine naheliegende Frage: “Warum ist es so, dass viele Menschen, die sich gegen Wladimir Putin stellen, am Ende tot oder nahezu tot sind?”Putin verweist auf tote US-Präsidenten Die Liste der toten oder attackierten Kreml-Kritiker ist in der Tat lang. Dazu zählt der russische Doppelagent Sergej Skripal, der einen Anschlag mit dem Nervengift Nowitischok, mutmaßlich ebenso wie der Oppositionspolitiker Boris Nemzow, der 2015 in Moskau erschossen wurde. An Beispielen fehlt es also nicht. Putin versuchte der Frage von Wallace auszuweichen:► “Wir haben alle viele politische Rivalen”, sagte er zunächst. “Ich bin mir sicher, auch Herr Trump hat viele.”► “Aber die enden nicht tot?”, hakte Wallace sogleich ein.Russian President Putin on his political opponents ending up dead: Russia's statehood is maturing and there are some side effects, and we persecute people responsible for these crimes. #WallacePutinOnFoxhttps://t.co/yXKIFfe4pQpic.twitter.com/iPgyT2YyZO— Fox News (@FoxNews) July 16, 2018► Es folgte eine absurde Antwort des russischen Präsidenten: “Sind nicht auch US-Präsidenten in den USA getötet worden? Haben Sie das vergessen?”What about PutinWas tote Präsidenten wie John F. Kennedy mit vergifteten russischen Ex-Agenten zu tun haben – das erklärte Putin nicht. Mit seiner Antwort wollte er ausdrücken, wie ungerecht er die Frage fand. Der Moment des Interviews demonstriert damit eine beliebte Antwort-Strategie Putins: Der Kreml-Chef ist ein Meister des sogenannten Whataboutism. “Aber was ist mit...” lautet der Kern dieser Strategie, die in nichts anderem besteht, außer abzulenken und auf die tatsächlichen oder vermeintlichen Fehler anderer zu verweisen – um so keine eigene Antwort geben zu müssen.Putin sprach dann noch über Auseinandersetzungen in den USA zwischen Zivilisten und Polizisten und den Spannungen zwischen ethnischen Gruppen. Im Fall von Skripal wiederholte Putin seine Forderungen: Er möchte stichhaltige Beweise sehen.“Niemand zeigt uns etwas”, betonte er – um dann im gleichen Atemzug fortzufahren und sich zu beschweren, dass es im Fall der mutmaßlichen Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf genauso sei. Die Anklageschrift der US-Justiz dazu schien ihn nicht zu interessieren. Als Wallace ihm zuvor im Gespräch das Dokument gegen zwölf russische Agenten in die Hand drücken wollte, weigerte sich Putin, es entgegen zu nehmen.This moment in particular, where Wallace tried to physically hand Putin a copy of Mueller's indictment was really something. pic.twitter.com/RuxYJXaiBO— Matt Wilstein (@mattwilstein) July 16, 2018(mf)

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