"Die Angst vor befristeten Arbeitsverhältnissen ist unbegründet": So steht es wirklich um den deutschen Arbeitsmarkt

Heute sind die neuen Zahlen zur Statistik der Arbeitslosigkeit veröffentlicht worden. Die Arbeitslosenquote hat den niedrigsten Stand seit 26 Jahren erreicht. Eine sensationelle, gute Nachricht!

Umso ärgerlicher ist es, dass immer wieder mangelnde Perspektiven für junge Leute an die Wand gemalt werden. Tatsache ist, dass die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen die Nachfrage übertrifft.

Eine befristete Stelle ist eine Chance

Wer eine Ausbildung hat oder einen Studienabschluss, hat ein geringes Risiko arbeitslos zu werden. Und angesichts des hohen Fachkräftebedarfs in der Wirtschaft ist der Einstieg über eine befristete Stelle eine große Chance, dauerhaft beschäftigt zu werden.

Sven Astheimer hat sich in der FAZ mit sogenannten "prekären Arbeitsverhältnissen" auseinandergesetzt, insbesondere befristeten Arbeitsverträgen. Und dabei - stets belegte -beeindruckende Zahlen recherchiert:

Die Quote befristeter Arbeitsverhältnisse liegt in der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren bei "etwas mehr als zwölf Prozent". Ende Februar hatte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz behauptet, diese Quote läge bei "fast 40 Prozent" - bis sein Büro das dann als "peinliche Panne" reflektieren musste.

➨ Mehr zum Thema: Chancengleichheit statt sozialpolitischer Gießkanne

Zwei Drittel der befristeten Arbeitsverträge von unter 25-Jährigen sind Ausbildungsverhältnisse.

Die Quote insgesamt liegt bei 7,4 Prozent. Die Quote bei Beschäftigten zwischen 25 und 35 Jahren liegt im Öffentlichen Dienst bei fast 23 Prozent.

Der Anteil der Befristungen hat sich im Kanzleramt und den Ministerien von 2007 bis 2015 verdreifacht.

Die Bundesagentur für Arbeit macht selbst von besfristeten Verträgen Gebrauch

Im Familienministerium hat sich Manuela Schwesig laut Astheimer mit mehreren Gesetzesinitiativen für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie stark gemacht. In Ihrem Ministerium hat sich die Zahl befristeter Arbeitsverträge versechsfacht.

Was in dem Beitrag noch nicht berücksichtigt wurde, ist die Einstellungspraxis der Bundesagentur für Arbeit, die in ihren Jobcentern in großem Umfang von befristeten Verträgen Gebrauch macht.

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Auf Anfrage wird eine Gesamtquote von insgesamt 13,1% genannt - also fast doppelt soviel wie die 7,4% in Deutschland insgesamt.

Es ist schon merkwürdig, dass die permanenten Kampagnen gegen befristete Arbeitsverhältnisse ausgerechnet von denen geführt werden, die weit mehr als in der Wirtschaft befristet einstellen.

Mir soll es recht sein, wenn der öffentliche Dienst mit Befristungen Spitzen abdeckt statt das unkündbare Personal weiter aufzustocken.

"Befristungen haben ihren Sinn, beispielsweise bei Ausbildungsverhältnissen. Kettenverträge sind allerdings abzulehnen, doch hier gibt es keine belastbaren Zahlen", schreibt Astheimer.

Dass es hier besondere Belastungen junger Menschen gibt, ist eine Behauptung, die Gewerkschaften publizieren, ohne sie mit Zahlen belegen zu können.

Es ist Zeit, die Fakten zu checken

Wir haben Wahlkampfzeiten vor uns, in denen viele solcher Behauptungen im Namen der "Gerechtigkeit" verbreitet werden dürften. Da heißt es, in jeder Beziehung wachsam zu sein und die Fakten zu checken.

Letztens sah ich eine Reportage von Beckmann zum Thema Bildungschancen. Darin wird zunächst ein teurer Kindergarten für Reiche vorgeführt.

Kommentar: "Andere sind auf staatliche Bildungsangebote angewiesen".

➨ Mehr zum Thema: Linksausleger Stegner bezieht Prügel von den eigenen Genossen


Dazu wird die baulich heruntergekommene Gesamtschule Bockmühle in Essen gezeigt, in der 40 Prozent der Kindereltern Hartz-IV-Empfänger sind. Die Direktorin kann zu der NRW-Kampagne "kein Kind zurücklassen" nur lachen.

Die zuständige NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann von den Grünen kann dazu nur stammeln. Selten so gelacht.

Der Beitrag erschien zuerst bei Brunowsky's Business Monitor.

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