Eine Pädagogin warnt: Viele Eltern lassen sich von ihren Kindern dominieren - und schaden ihnen damit

Von Geburt an hätscheln, pflegen, lieben Eltern ihr Kind. Sie versuchen, es maximal zu fördern, suchen nach der besten Kita in der Stadt, bezahlen dem Nachwuchs Bastelkurse und Klavierstunden, achten bei der Schulwahl auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes.

Sie loben das Kind, wenn es etwas richtig gemacht hat und achten darauf, dass es ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln kann.

Die Pädagogin Astrid von Friesen aber warnt: Eine Sache übersehen die meisten Eltern bei all der gut gemeinten Fürsorge - und das hat massive Auswirkungen nicht nur auf die Kinder selbst, sondern auf die ganze Gesellschaft.

Kinder merken: Wenn sie quengeln, wird ihr Verhalten belohnt

“Eltern loben ihre Kinder ganz wunderbar und fördern sie, wo es nur geht, vergessen dabei aber oft das Fordern”, sagte sie der HuffPost. “Wenn Kinder zu stark verwöhnt werden, kann das ins Negative umschlagen.”

➨ Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt: Das ist das Geheimnis einer glücklichen Kindheit

Oft müssten Kinder im Supermarkt an der Kasse nur dreimal quengeln und sofort bekämen sie den Schokoriegel in die Hand gedrückt. “Kinder lernen dadurch: Wenn sie nörgeln und nerven, wird das belohnt”, warnt von Friesen. Positives Lernen
heißt dieser Mechanismus in der Pädagogik.

“Die Kinder kommen sehr schnell an ihre Toleranzgrenze, weil sie nicht gelernt haben, mit Rückschlägen umzugehen”, sagt von Friesen. Mangelnde Frustrationstoleranz nennt sie das.

Das hat schwerwiegende Konsequenzen, wie die Pädagogin aus eigener Erfahrung weiß. Sie berät seit über 30 Jahren Familien in Erziehungsfragen und therapiert Erwachsene und erlebt oft, wie unglücklich Menschen werden, wenn sie nicht lernen, mit Frustration umzugehen.

Kinder müssen Frustrationstoleranz lernen

Das kann ein Kind im Kindergarten sein, das schon besser zeichnen kann oder eins, das auf dem Spielplatz seine Förmchen nicht mit einem teilen will.

Ein Mensch, der nicht frustrationstolerant ist, hat aber nicht nur als Kleinkind Probleme. Je älter er wird, desto mehr leidet er unter darunter. Insbesondere in der Schule zeigen sich laut von Friesen deutlich die Versäumnisse der Eltern.

“Es ist sehr schwer, verwöhnte Kinder in eine Schulklasse zu integrieren”, sagt sie - und erzählt von einer Lehrerin, die ihr schon vor 15 Jahren ihr Leid geklagt habe und sie gefragt habe “Was soll ich tun? Ich habe 25 Prinzen und Prinzessinnen in der Klasse”.

Wenn Kinder in der Trotzphase, also etwa zwischen dem 3. Und 5. Lebensjahr, nicht lernten, mit Aggression umzugehen, so warnt sie, dann seien sie schwer kompatibel für eine Schulklasse. “Und mit 16 Jahren werden sie dann vielleicht als Störenfriede die ganze Klasse vom Lernen abhalten und sich selbst damit natürlich auch.”

Die negativen Folgen sind in der Schule und später im Berufsleben sichtbar

Denn in der Pubertät, so sagt von Fries, verstärkten sich negative, als Kleinkind gefestigte Eigenschaften oftmals.

Die Folgen seien auch nach der Schule noch deutlich sichtbar. Kinder, die von ihren Eltern nicht dazu erzogen wurden, Herausforderungen zu meistern, versagen laut der Pädagogin auch mit großer Wahrscheinlichkeit im Berufsleben.

“Wer beispielsweise eine Ausbildung anfängt, muss sie auch durchhalten”, sagt sie, “und nicht nach einer Woche hinschmeißen, nur weil man jeden Tag um sechs Uhr aufstehen und die Regeln des Lehrbetriebes akzeptieren muss.”

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Zu beobachten sei der negative Effekt auch in Bereichen des sozialen Lebens. “Das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr etwa geht zurück, weil Menschen nicht mehr den langen Atem haben, sondern eine sofortige Ausschüttung des Glückshormon erwarten, wie das etwa bei der Nutzung moderner Medien der Fall ist”, sagt sie. Dasselbe gelte für Parteien und andere
Organisationen.

Was Eltern tun können

“Wer schon mal ein Projekt angestoßen oder eine Partei gegründet hat, weiß, dass das viel Frustrationstoleranz erfordern kann.”

➨ Mehr zum Thema: Das passiert mit Kindern, die schon mit einem Jahr in die Kita kommen

Viele Eltern hätten heutzutage nicht den Fokus darauf, ihre Kinder zu sachlich denkenden und zielstrebigen Menschen zu erziehen, kritisiert sie. Das fehlende Engagement in der jüngeren Generation sei auf Erziehungsfehler der Eltern zurückzuführen.

Was also können Eltern tun, damit es nicht so weit kommt?

Auch darauf hat von Friesen eine klare Antwort. “Eltern sollten geduldig mit ihren Kindern durch die kleinen Missgeschicke des Alltags gehen und gemeinsam mit ihnen die Frustration aushalten, aber nicht mit Bonbons weglutschen oder durch
Mediennutzung die Frustration verdrängen”, rät sie.

Sie empfiehlt, die Kinder nicht etwa mit einem Tablet oder einer Süßigkeit ruhigzustellen oder den Frust wegzuschieben, wenn sie mit einem Misserfolg oder Ablehnung konfrontiert werden.

Den Frust verstehen und mit dem Kind durchstehen

“Wenn die Wut mit einer schnellen Ablenkung eingedämmt wird, lernt das Kind nicht dazu und der Frust wird beim nächsten Mal womöglich noch schlimmer.”

Wenn Eltern ihrem Kind aber das Gefühl vermittelten, dass sie seinen Frust verstehen und mit ihm durchstehen, könne es lernen, sportlich kreativ damit umzugehen, statt sich davon runterziehen zu lassen.

Die Folge sind glückliche, selbstkritische Kinder, die Rückschläge als das wahrnehmen, was sie sind: die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen und so zu einer starken Persönlichkeit zu werden.

Und das ist es doch, was sich Eltern am meisten wünschen.

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(sma)

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