Haben wir in Zukunft keine Küchen mehr?

Große, teure, perfekt ausgestattete Küchen gelten als Statussymbol. Die meisten heimischen Küchen bleiben aber immer häufiger kalt. Das hat eine Studentin der ecosign in Köln herausgefunden und daraufhin die Küche der Zukunft entwickelt.

Und es sind genau solche Projekte, die Prof. Simone Fuhs sich erträumte, als sie vor mehr als 20 Jahren die ecosign gegründet hat und mittlerweile in Kooperation mit der Alanus Hochschule den einzigen Bachelor in nachhaltigem Design in Deutschland anbietet.

Wie Phönix aus der Asche

Wer dieser Frau zum ersten Mal begegnet, spürt sofort, dass er es mit einem besonderen Menschen zu tun hat. Ihr Leben ist geprägt von einer großen Vision.

Die ersten 11 Jahre ihres Lebens verbringt Simone Fuhs in Kairo. Dann muss sie mit ihren deutschen Eltern zurück - nach Deutschland, nach Leverkusen. Das Mädchen kann sich damit nur schwer anfreunden, fällt in ein Stimmungstief. Der Grundstein für die ecosign.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter


„Aus meinem Leiden wurde später Kreativität. Vielleicht wollte ich mit meiner eigenen Schule die Gemeinschaft schaffen, die ich in Deutschland so vermisste. Mir passte es nicht, wie wir hier leben. Mir passte es nicht, wie wir Kinder erziehen in Schulen, wie wir junge Menschen ausbilden."

Sie selbst studiert Kommunikationsdesign, aber an allen Hochschulen fehlen ihr die soziale und die ökologische Komponente. In ihrer eigenen Schule soll beides fester Bestandteil sein. Schnell hat sie ein Konzept und den notwendigen Businessplan erarbeitet. Sie benötigt 200.000 DM. Und läuft mehrfach gegen die Wand.

Keiner nimmt sie ernst

„Ich werde das Telefonat mit einer Frau einer Kölner Bank nie vergessen. Sie sagte: „Ah, Sie sind eine Frau. Wie alt sind Sie, 25? Tut mir leid, Sie kriegen keinen Termin, Sie bekommen sowieso erstmal Kinder und wenn Sie 45 sind, dann dürfen Sie sich gerne wieder bei mir melden. Eine weitere Erfahrung machte ich mit zwei männlichen Ansprechpartnern.

Der eine hatte den Termin vergessen, der andere wirkte gänzlich desinteressiert und sagte, dass er mir das als Frau einfach nicht zutraut. Würde ich eine Bäckerei oder eine Metzgerei gründen wollen, dann schon eher. Aber eine Schule für Design und Nachhaltigkeit? Das sei ihm zu riskant."

➨ Mehr zum Thema: Nachhaltige Zukunft: Möglichkeiten für Innovation und Technologie

Trotzdem lässt Simone Fuhs nicht locker, ganze zwei Jahre geht sie Klinken putzen und hat endlich Erfolg.

„Ich bekam im Dezember 1993 einen Termin bei der Dresdner Bank und dort sagte meine Beraterin zu mir: „Ja, Frau Fuhs, ich finde das interessant, und ich glaube an Ihre Idee."

„In den ersten drei Jahren konnte ich ohne Kamillentee nicht einschlafen."

Das Abenteuer ecosign beginnt. Simone Fuhs arbeitet nahezu rund um die Uhr. Sie lehrt selbst Ökologie und Design, arbeitet aber gleichzeitig als Sekretärin, Reinigungskraft, Hausmeisterin und nicht zuletzt als Direktorin. Und sie macht einen Fehler im Umgang mit den Studenten.

„Ich habe am Anfang versucht, mit den Studenten auf einer Ebene zu sein. Ich war jung und habe sie zu sehr an mich dran gelassen. Ich war zu gutherzig, zu nett. Stellenweise musste ich mit ihnen über Geld reden, weil sie die Raten nicht bezahlt haben und dabei war ich Direktorin und gleichzeitig Freundin. Wir konnten nicht diese Ebene halten, sie mussten mich als Autorität anerkennen."

Das Internet als Bedrohung und Chance

Gemeinsam mit professionellen Beratern und durch viele Gespräche mit ihren engsten Vertrauten bekommt sie die Situation in den Griff. Es läuft gut. Bis 2005 der nächste Tiefschlag kommt. Plötzlich geht die Bewerberzahl immer weiter zurück. Im Wintersemester gibt es nur 8 neue Studenten. Junge Menschen informieren sich plötzlich im Internet über Studienangebote. Aber da gibt es die ecosign nicht. Simone Fuhs weiß, dass sie die Schule schließen muss, wenn sie jetzt keine Idee hat.

„Abends saß ich dann mit meinem Mann zusammen und sagte ihm: Ich mache jetzt eine Website und wir gewinnen damit den Red Dot (ein berühmter Design Award), sie soll die beste Seite der Welt sein! Ich kannte mich überhaupt nicht aus, deshalb habe ich mich dann drei Wochen lang mit diesem neuen Medium Internet auseinandergesetzt und ein Konzept erstellt. Eine ehemalige Studentin setzte es um. Und tatsächlich gewannen wir damit den Red Dot. Seitdem hatten wir so viele Bewerbungen wie nie zuvor."

Ernsthaft jetzt?

Der Umzug in ein neues, größeres Gebäude droht an einer absurden Behördenregelung zu scheitern. Als Simone Fuhs die Umbaumaßnahmen beantragen will, fehlen laut Kölner Stadtverwaltung 7 Parkplätze.

„Ich habe den Behörden gesagt: „Wir sind eine Schule für ökologisches Design, meine Dozenten und meine Studenten fahren in der Regel mit der Bahn oder mit dem Fahrrad." Die Antwort war einfach: „Das sind aber die Vorschriften und Punkt."


Ein befreundetes Ehepaar kauft schließlich Grund dazu, auf dem die Parkplätze gebaut werden. Das erhöht für Simone Fuhs zwar den Mietpreis für die Räumlichkeiten, aber der Umbau kann endlich beginnen. 2009 zieht die ecosign um.

Die Küche der Zukunft

An der Akademie wird an vielen zukunftsweisenden Projekten gearbeitet. Die Küche der Zukunft, die die Studentin „Schnittstelle" getauft hat, sieht aus wie ein kleines Sideboard. Auf der Oberfläche - eine Art Induktionsfeld in Holzoptik - kann man kochen, aber auch Musikboxen oder Handys aufladen. Es gibt eine magnetokalorische Kühlschublade, extrem stromsparend und leise.

Ein Waschbecken sollte in der Nähe angebracht werden. Die „Schnittstelle" trägt der Tatsache Rechnung, dass es sich immer mehr verändert wann, wo und mit wem wir essen. Immer häufiger verbinden sich Arbeit, Meetings und Essen in einladender Gastronomie oder sogar in shared spaces - beides Räume, deren Funktion früher die Wohnküche übernahm. Alle Forschung deutet darauf hin, dass diese Trends sich weiter entwickeln werden. 

Die Ecosign als Vorbild

Inzwischen ist die ecosign eine der wichtigsten Design-Hochschulen. Viele Absolventen sitzen in der Leitung großer Unternehmen, oder sind mit eigenen Agenturen erfolgreich. Viele von ihnen haben renommierte Auszeichnungen und Preise erhalten.


➨ Mehr zum Thema: Sparen beim Fahren: Elektroautos könnten in naher Zukunft zum Stromspeicher werden

„Ich möchte, dass immer mehr Menschen sehen, dass es doch Alternativen gibt. Ecosign soll eine Modellschule für Ausbildung werden. Ich möchte Unternehmen zeigen, dass es sich lohnt, nachhaltig zu handeln. "

____
Lesenswert:
Ich bin Muslima - das passierte, als ich für meine Tochter einen Platz im Kindergarten gesucht habe

"Ich bin 36, habe zwei Kinder und sterbe - ihr alle könnt mir helfen": Der dramatische Appell eines Blutkrebspatienten


Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?


Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter [email protected]

Lies mehr: http://www.huffingtonpost.de/janine-stee...

Die wichtigsten Nachrichten des Tages mit Facebook und Tweeter


Ähnliche News

Nach dem DFP-Pfeifkonzert findet Helene Fischer bei "Mensch Gottschalk" klare Worte 0 0 0
DMG Mori forciert den 3D-Druck: Ostwestfalen greifen General Electric an 0 0 0
Pjöngjang provoziert weiter: Japan empört über Nordkoreas erneuten Raketentest 0 0 0
Löwen wollen VfL heißen Tanz bieten 0 0 0
"Groteske Unverschämtheit": Polit-Legende von Dohnanyi rechnete bei "Anne Will" mit Donald Trump ab 0 0 0
Börsen Asien : Tokioter Börse legt leicht zu 0 0 0
Wegen Russland-Affäre: Trump will mehr Mitarbeiter im Weißen Haus 0 0 0
Die Woche in Karikaturen: Wie unsere Zeichner die Welt sehen 0 0 0
Kim Jong Un: Nordkorea feuert, Japan zürnt 0 0 0
Seoul ruft Sicherheitsrat ein - Nordkorea feuert erneut Rakete ab - Protest aus Japan 0 0 0